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Prolog

jodel1-soap

»Verschwinden Sie! RAUS! Sofort raus hier!«
Leo hob die Augenbrauen, griff nach ihrer Tasche, warf alles wahllos hinein und rauschte mit hoch erhobenem Kopf aus dem Seminarraum. Unwillkürlich grinste sie breit, als sie die offenen Münder und die entgeisterten, aber auch begeisterten Gesichter ihrer Kommilitonen sah, an denen sie vorbei ging.
Während sie die leeren Gänge der Fakultät entlang ging, wühlte sie in den Tiefen ihrer Tasche nach ihren geliebten Gauloises. Die Zungenspitze am oberen Würfel ihres Lippenpiercings schlenderte sie Richtung Ausgang, bis sie endlich die Zigarettenschachtel zu fassen bekam. Sie kniff die Augen zusammen, das helle Sonnenlicht nach dem dämmrigen Licht des Seminarraumes stach ihr in den Augen und mit einem Seufzer schloss sie sie, versuchte, sich zu entspannen und nachzudenken.
Sie atmete tief durch und zündete die Kippe an, die in ihrem Mundwinkel hing. Nach einem tiefen Zug meldete sich ihr Gewissen.
Okay, klug war es jetzt nicht, dass ich ihm mein BGB an den Kopf geworfen hab, aber … mein Gott, er hat es verdient! Dieses Arschloch! Diese Flachpfeife!
Sie nahm noch einen Zug und fragte sich, wie es jetzt weiter gehen sollte. Dass es Ärger geben würde, stand außer Frage. Ein Luftzug hinter ihr verriet ihr, dass das Seminar vorbei war.
»Boah, wie geil! Total krass!«
Sie verdrehte die Augen, erkannte die Stimme. Idiot.
»Ach, meinst du diese Punkerin? Die hat eh noch nie zu uns gepasst. Wir werden sie wohl nie wieder sehen.«
Fick dich, Barbie! Leo brauchte sich nicht einmal umzudrehen, um zu wissen, wer da sprach. Ihre Kommilitoninnen sahen sowieso alle gleich aus. Sie nahm einen letzten, tiefen Zug, warf den qualmenden Stummel demonstrativ auf den Boden und trat sie aus. Mit einem schiefen Lächeln wandte sie den Kopf und sah sie ihre Kommilitonen an, die erst jetzt merkten, dass sie neben ihnen stand. Leos Blick glitt über die beiden und sie konnte sich gerade noch ein verächtliches Schnauben verkneifen. Typische Reiche-Eltern-Kinder. Dumm wie Stroh, aber Papi hat Geld, das regelt dann schon alles, vor allem Fehltritte! Sie nickte ihnen gehässig zu und wandte sich zum Gehen.
»YEAH! LEO! GEILE AKTION!« Die nächsten, die aus der Fakultät strömten.
Sie schüttelte lächelnd den Kopf. Es hat den Anschein, als fände mein Ausbruch doch noch Zustimmung. Doch ohne die Begeisterung einiger zu teilen oder zu kommentieren, wandte sie dem Gebäude den Rücken zu. Als sie die Treppen der Fakultät hinunter ging und ihre S-Bahn-Station in Sichtweite kam, musste sie sich eingestehen, dass es vielleicht noch viel dümmer gewesen war, als sie vermutet hatte. Auch wenn das berauschende Hochgefühl nicht von schlechten Eltern war und einigen anderen Substanzen, die sie in ihrem Leben schon ausprobiert hatte, in nichts nachstand. Die Zweifel verdrängten es aber und wirkten wie eine kalte Dusche.
Scheiße! Was mach ich jetzt? Und wir erklär ich das meiner Mum? FUCK!

Nachdem Leo die Tür hinter sich ins Schloss geworfen und sich gegen das Holz gelehnt hatte, sprang ihr kleiner Hund an ihr hoch, doch um ihn zu bespaßen fehlte ihr im Moment der Sinn. Gedankenverloren strich sie ihm über den Kopf, kraulte seine Ohren und warf die Tasche in die Ecke und sich selbst in ihren Schreibtischstuhl. Das hektisch blinkende Licht ihres Anrufbeantworters stach ihr ins Auge und ließ sie das Gesicht verziehen. Das konnte einfach nichts Gutes bedeuten. Niemand sprach ihr jemals aufs Band, außer um ihr den Tag zu verderben. Sie spielte kurz mit dem Gedanken, die entgangenen Anrufe zu ignorieren und so zu tun, als hätte es sie nie gegeben. Nervös fuhr Leo sich durchs kurze, mit blauen Strähnen durchzogenes Haar und ging in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen. Das blinkende Licht der Maschine erinnerte sie unbarmherzig an ihren Anrufbeantworter. Sie starrte einige Herzschläge lang auf die cremige Oberfläche ihres Kaffees, bevor sie einknickte und nachgab. Einen Schuss Milch und einen Löffel Zucker später drückte sie das Knöpfchen und hörte ihre Nachrichten ab. Als die Stimme ihres Chefs durch das kleine Wohnzimmer hallte, stöhnte sie. Dass das Schlimmste noch bevorstand, ahnte sie nicht.  Die nächste Nachricht erschütterte ihre kleine Welt.
»Frau Haag, wir bitten darum, dass Sie sich morgen Mittag zu einem Gespräch mit dem Dekan einfinden. Es geht um Ihren Angriff auf Dr. Schmieder. Seien Sie pünktlich. Ihre weitere Zukunft an unserem Institut hängt davon ab!«
Scheiße! Sie wusste jetzt schon, was sie erwarten würde. Man würde sie mit Schimpf und Schande exmatrikulieren. Und selbst wenn nicht, sie würde nie wieder Fuß fassen können nach dieser Aktion.
Dann sollte ich mich wohl besser von Hamburg verabschieden …
Widerwillig setzte sie eine Kündigung auf und griff danach zum Telefon.
Da muss ich jetzt durch! Selbst schuld!
»Hi, Mama, du, also … ich muss dir was gestehen …«

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Titelbild

Die Qual der Wahl. Meine alte Seifenoper bekommt ein neues Gewand, eine Generalüberholung und somit auch neuen Inhalt, neue Dramen und ein neues Kleid. Doch eure Meinung dazu würde mich brennend interessieren 😉

Das Bildchen mit den Würfeln ist das alte Cover – wie gefällt euch das neue?

Love letters to the Dead

vbhgjvbjhgbjhSometimes the best letters are the ones that go unanswered

It begins as an assignment for English class: write a letter to a dead person – any dead person. Laurel chooses Kurt Cobain – he died young, and so did Laurel’s sister May – so maybe he’ll understand a bit of what Laurel is going through. Soon Laurel is writing letters to lots of dead people – Janis Joplin, Heath Ledger, River Phoenix, Amelia Earhart… it’s like she can’t stop. And she’d certainly never dream of handing them in to her teacher. She writes about what it’s like going to a new high school, meeting new friends, falling in love for the first time – and how her family has shattered since May died.

But much as Laurel might find writing the letters cathartic, she can’t keep real life out forever. The ghosts of her past won’t be contained between the lines of a page, and she will have to come to terms with growing up, the agony of losing a beloved sister, and the realisation that only you can shape your destiny. A lyrical, haunting and stunning debut from the protégé of Stephen Chbosky (THE PERKS OF BEING A WALLFLOWER).

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Das Buch hat mich gereizt, von Anfang an. Was aber auch viel an meiner persönlichen Geschichte liegt, denn auch ich habe den Toten Briefe geschrieben, wenn mir (zumindest als Jugendliche) alles zu viel wurde. Mein bester Freund, mein Opa – ich hab eine ganze Schachtel solcher Briefe unter meinem Bett.

Aber bei Laurel ist das anders. Laurel schreibt die Briefe anfangs als Aufgabe aus dem Unterricht und erzählt dann den toten, ihr fremden Menschen ihre Geschichte. Und die hat es in sich.

Die Sprache ist einfach, sie ist schlicht – passt also perfekt zu Laurel und ihrem Alter. Man erlebt ihre Experimente, ihre Ängste, begleitet sie, wie sie mit ihrer eigenen Vergangenheit fertig wird und wieder ins Leben zurückfindet. Es ist das typische Teenagerleben – mit einem großen, dunklen Schatten, der durch Mays Tod immer über ihr zu schweben scheint. Man findet sich selbst in Laurel wieder – oder zumindest in ihren Freunden – und ich muss sagen, ich war beeindruckt, wie Ava sich nicht davor gescheut hat, auch „Tabus“ anzusprechen. (Keine Spoiler!)

Alles in allem ist die Geschichte von Laurel eine berührende Geschichte mit ein wenig cheesy feeling und leider immer mal wieder einem abgeschriebenen Wikipedia-Eintrag, wenn eine neue Berühmtheit eingeführt wird. Dennoch musste ich weinen, lachen, schmunzeln, mitfiebern und mitfühlen – genau das, was so ein Buch bewirken soll. Von kleinen Ungereimtheiten mal abgesehen (Laurels Verhalten gegenüber ihrer Mutter ist zu fix und der Wandel geht hierbei zu schnell) und dem Belehrungsaspekt, gibt es 4 Sterne und eine Empfehlung.

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Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 1655 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 416 Seiten
  • Verlag: cbt (23. Februar 2015)